Ein Reader für die Fachoberschule

Seit zwei Jahren unterrichte ich an der Fachoberschule das Fach Englisch. Von Anfang an nervte mich die Zettelwirtschaft der Lernenden und die Entschuldigung „Ich war krank, ich hab die [Hausaufgaben / Arbeitsblatt / … ] nicht.“ Zwar gibt es auch hier Advance OrganizerQuizlet Vokabellisten und einen roten Faden im Unterricht, aber eben neben dem Buch kein zweites, dauerhaftes Arbeitsmedium.

Auch bin ich nicht 100% zufrieden mit dem Schulbuch („Focus on Success“), da es viele Themen wie z.B. Migration, die mittlerweile in der Zentralprüfung vorkommen, gar nicht oder nur stiefmütterlich behandelt.

In Informatik nutze ich aufgrund der fehlenden Bücher ausschließlich Moodle, bei nur zwei Stunden pro Woche Englisch in der 11 hatte ich (bis jetzt) auf einen solchen Kurs verzichtet. Auch arbeiten die Lernenden in Informatik in Computerräumen. Der Englischraum beheimatet nur einen Lehrer-PC.

Also was tun?

Da ich bereits einige Merkblätter für die Lernenden erstellt hatte, diese aber leider immer wieder erneut austeilen musste, verfolge ich nun eine andere Strategie.

Ich teile am Anfang des Jahres meinen Reader aus. Dieser besteht aus den Merkblättern, die ich sonst immer punktuell austeilte. Sie bekommen nun also alles konzentriert in einem Stück. Gelocht und getackert.

Damit minimiere ich die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Merkblätter bereits ausgeheftet wurden, nicht bekommen wurden, da Lernende fehlten, o.ä. Weiterhin kann ich immer wieder auf die entsprechende Seite im Reader verweisen, falls es zu den Grundlagen noch Fragen gibt.

Fos-Reader
FOS-Reader

Je dicker der Reader, desto eher bleibt er liegen

Wie oben bereits erwähnt sollte der Reader kein Buch ersetzen, sondern alles Wichtige zusammenfassen. Ich möchte den Lernenden einen Überblick über die wichtigsten Informationen und zu lernenden Kompetenzen geben. Mittlerweile hat der Reader 22 Seiten, aber es sollen nicht mehr dazukommen (siehe Überschrift).

Hier also nun die „Kapitel“:

  • Was wird benötigt für den Englischunterricht?
  • Allgemeine Bewertung und Prozent / Noten
  • Korrekturbemerkungen Klausuren, Fehlerindex
  • Bewertungskriterien Summary / Comment
  • Häufige Fehlerquellen
  • Generelle Verbesserungsmöglichkeiten
  • Helpful Tools
  • How to describe Pictures, Photos or Paintings
  • What Discussion Phrases to use
  • How to write a Summary
  • How to write a Comment
  • How to write a Comparison / Contrast (Diskussion / Vergleich)
  • How to write a Guided Interpretation (Geführte Interpretation)
  • Methoden
  • Quellen

Workflow: Vokabelisten erstellen, Plattform zum Lernen bieten und Tests generieren

Dieser Artikel soll einen einfachen Workflow präsentieren, der

  1. das zentrale Speichern von Vokabellisten ermöglicht
  2. die SuS beim Lernen unterstützt
  3. aus den Vokabeln / lexical chunks wiederum Vokabeltests generiert

Zentrales Speichern / Importieren von Vokabellisten

Viele Schulbuchverlage bieten eigene Apps mit denen die Vokabeln aus den entsprechenden Units gekauft werden können. Diese kosten je nach Verlag um die 6€ pro Installation. Das heißt, dass wenn jeder zweite SoS in einer Klasse die App installiert und die Vokabelliste kauft um die 84€ pro Klasse für virtuelle Daten, eine LISTE! generiert werden. In meinen Augen sind das zusätzliche Kosten, die bei den Kosten der Anschaffung für die Bücher nicht nötig sind.

Vokabeltrainer App
Vokabeltrainer-App

Alternative Quizlet a.k.a Fleißarbeit

Quizlet bietet die Möglichkeit kostenlos die eigenen Vokabeln einzutragen und online, wie offline mit Hilfe von Smartphone oder PC zu lernen.Manchmal sind die Listen auch bereits durch andere Nutzer der Plattform übertragen worden, sodass man diese 1 zu 1 übernehmen kann. Leider sind die Vokabellisten der Schulbuchverlage nicht immer vorhanden, dafür ist es aber möglich die eigenen Vokabellisten mit Fotos aus dem Netz zu vervollständigen.  Für die ersten 7 Units meiner Fachoberschulklasse haben wir die Listen bereits erstellt. Hierfür gehe ich ähnlich vor wie in einem vorhergehenden Artikel erwähnt.

Quizlet importieren
Quizlet importieren

SuS beim Lernen unterstützen

Die Vorzüge von Quizlet habe ich ebenfalls in dem anderen Quizlet-Artikel beschrieben und auf anderen Seiten werden sie noch viel ausführlicher dargelegt.

Tests generieren

Man kann bei Quizlet die Vokabeln auch wieder exportieren, sodass ein Import z.B. in ein Word-Dokument kein Problem darstellt. Dafür habe ich eine Tabelle mit 15 Zeilen erstellt und die entsprechende Zuordnung zur Note unten eingefügt. Das Dokument kann weiter unten im Beitrag heruntergeladen werden.

Ich gehe folgendermaßen vor:

  1. Zunächst exportiere ich die Wörte, die ich prüfen möchte, samt Übersetzung natürlich. Wie unten im Bild zu sehen kann man die Wörter über den Dialog exportieren und auf seine Wünsche anpassen (Trennsymbol usw.)
  2. Jetzt mittels Copy und Paste in die Tabelle des Word-Dokuments einbinden. Das Ganze gleich zweimal, da es eine Lehrerversion und eine Schülerversion gibt.
  3. Jetzt werden bei der Schülerversion die Vokabeln, die abzufragen sind, entfernt. Wozu nun die Lehrerversion?
  4. Die Lehrerversion kann später beim Korrigieren durch die SuS verwendet werden. Hierzu ist es hilfreich den SuS mitzuteilen, ihren Namen auf die Rückseite des Blattes zu schreiben. Auf jeden Fall sollte man nochmals alle Zettel überprüfen, sodass die Korrekturen in Ordnung sind.

Vorteil des Workflows:

  • SuS können überall lernen (ortsunabhängig)
  • Sie können mit Hilfe von Smartphone ohne Buch lernen (Buch-unabhängig).
  • Während des Vokabeltests haben sie alle nötigen Informationen bereits auf dem Blatt, ergo herrscht keine Unruhe wegen Nachfragen wie „Können Sie das dritte Wort nochmal sagen“.
  • Hiermit wird auch das Spicken erschwert.
  • Der Vokabelzettel bietet eine einheitliche Optik und die Felder sind einheitlich. Das ermöglicht eine schnellere Korrektur
  • Die Notenverteilung ist bereits direkt abgedruckt (s.u.) und ermöglicht ebenfalls eine schnellere Korrektur, da keine Prozentzahl o.ä. zu berechnen ist.
Notenverteilung

Anlage:

Vokabeltest

Gelesen: SuperFreakonomics & The Lazy Teacher’s Handbook

Superfreakonomics von S. Levitt und S. J. Dubner

Seit über einem Jahr habe ich den Podcast Freakonomics Radio abonniert, um dann erst festzustellen, dass es auch ein Buch gibt. In den Weihnachtsferien hatte ich es innerhalb von zwei Nachmittagen verschlungen, so interessant waren die Fakten und Auswertungen. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Wirtschafts“wissenschaften“, aber die Autoren widmen sich dem Thema der „Behavioral Economics“, also der Verhaltensökonomie. Also etwas, was mich als Schüler im Wirtschaftsunterricht immer störte. Nämlich, dass der Mensch immer als rationales handelndes Wesen gesehen wurde. Dass er eben nicht ist.

Ich freute mich, als ich feststellte, dass bereits 2011 ein Nachfolger mit dem Namen SuperFreakonomics erschienen ist. Laut Buchtitel sollte es ja zu einer Steigerung der Unterhaltsamkeit, Spannung, … kommen.

Um es kurz zu machen, es liest sich zwar sehr gut, ist aber in meinen Augen nicht halb so unterhaltsam und spannend geschrieben wie der erste Band. Wem der erste Band gut gefallen hat, kann auch hier zugreifen, sollte aber weniger Erwartungen an das Buch stellen. Im Vorwort räumen die Autoren bereits mit dieser Hoffnung auf und stellen fest, dass es vielmehr eine Aneinanderreihung von interessanten Fakten ist. Das war zwar schon beim ersten Buch so, aber dort kam es bei mir bei jedem Kapitel zu einem Aha-Effekt. Hier sind es eher Anekdoten, die noch nicht einmal für ein Gespräch zur Kneipenrunde reichen. Schade…

The Lazy Teacher’s Handbook von J. Smith

Ganz im Gegensatz zu Superfreakonomics hat mir dieses Buch großen Spaß beim Lesen bereitet. Unzählige Tipps und neue Twists, die man gut in den Unterricht einbringen kann, bei denen die Schülerorientierung hoch (folglich „lazy teacher“) und den Unterricht trotzdem abwechslungsreich gestalten.

Sicherlich ist der Titel aufmerksamkeitsheischend. Klar, der Stereotyp des faulen Lehrers. Er hält aber, was er verspricht. Smith schlägt viele Möglichkeiten der Variation des Unterrichts vor, vor allen Dingen schülerzentrierter zu agieren. Beispielsweise empfiehlt er im Unterricht unvorhersehbar zu agieren, um die Spannung hoch zuhalten. Warum nicht mal sich zum Affen machen in eine andere Rolle schlüpfen oder mit Medien experimentieren. Wenn man normalerweise eher legere Kleidung trägt, mal im Anzug kommen, um bestimmte Themen zu motivieren (z.B. in Englisch im Themengebiet Society and Lifestyles).

Die Ideen sind natürlich manchem bereits aus anderen Büchern bekannt, jedoch liefert er sinnstiftende Beispiele für den eigenen Unterricht. Gerade an den Beispielen hapert es in vielen Büchern. Auch kann das Buch als Nachschlagewerk verstanden werden, da nicht lange um den Brei geredet wird.

Prädikat: sehr empfehlenswert. Tipp: Bei Amazon gebraucht kaufen, da neu recht teuer!