Von Einzelkämpfern zu Team-Playern

Achtung: Bitte nicht diesen Artikel nicht in den falschen Hals kriegen. Ich schrieb ihn, als ich mal wieder feststellte, dass manches im Konstrukt Schule immer noch im alten Jahrtausend festhängt.

Einzelkämpfertum

Wenn Referendare nach dem Studium und ersten Wohlfühlveranstaltungen des Seminars das erste Mal in der Schule unterrichten sollen, schallen Ihnen je nach Lehrkraft Aussagen wie „Na klar, nimm! Ich würde mich auch über dein Material freuen“, aber auch „Ich hab alles im Kopf, ich brauche kein Material“ oder „Wieso sollte ich mein über lange Jahre erstelltes Material einfach verschenken, es hat mich schließlich viel Zeit gekostet!“ entgegen.

Klar soll auch der Referendar oder neudeutsch die LiV (Lehrkraft im Vorbereitungsdienst) lernen, wie man gute Lehrmaterialien erstellt, aber hat man das nicht schon im Studium getan? Für sich und Kommilitonen? Möglicherweise bereits für Vertretungsunterricht während des Studiums?

Woher kommt diese generelle Ablehnung alles Neuem mancher Kollegen?

Ein weiteres Beispiel: Ich komme gerade um die Ecke ans Lehrerzimmer und ein älterer Kollege meint zu einem anderen über das Digital-Signage-Display:
„Schau dir das an, so ein Schwachsinn. Wozu brauchen wir so etwas.“

Ich bin der Meinung, dass das ein Schutzreflex ist. Aus der Denke „Der Lehrer macht keine Fehler, er hat eben sein Fach studiert“. Vielleicht aber auch aus der Erkenntnis nicht unfehlbar zu sein und bei manchen Dingen den Anschluss verpasst zu haben. Auch Angst vor einem Kontrollverlust spielen eine Rolle. Der Mensch ist von Natur aus eben ein Gewohnheitstier.

Wandel der Bildungslandschaft

Kein Wunder, dass sich viele nicht über die Schulter blicken lassen wollen. Denn das ist die Folge, weil sie währen der meisten Zeit alleine ihren Job machen, sei es in der Klasse, bei der Unterrichtsvorbereitung, bei der Korrektur von Klassen- und Projektarbeiten, …

Trotzdem. Die Bildungslandschaft hat sich stark geändert und ist im steten Wandel. Das Meer an Medien, Informationen und Apps ist nicht mehr so einfach zu überschauen wie früher zu einer Zeit als lediglich eine geringe Anzahl an Verlagen für Nachschub sorgte.

Lagerkämpfe

Gehörst du zu den altbackenden Paukern, der hauptsächlich auf Frontalunterricht setzt oder eher zu den Lernbegleitern, die Snapchat, Instagram, … im Unterricht einsetzen und sich erst danach über den Sinn des Ganzen Gedanken machen? Heute schreit jeder, der nicht altbacken gelten will, nach dem letzten Trend. Tablets, Apps, Gimmicks. Alles soll anders werden. Neuer, hipper, schneller, leichter verständlich.

Aber ist es das? Lernen die Schülerinnen und Schüler durch die neuen Apps besser? Schneller? Effektiver? Gerade technikaffine Lehrkräfte halten sich oft nicht lange mit einer Sache auf, sondern reiten die nächste Welle.

Auf den ersten Blick sind diese Dinge aus Sicht der „Old-Schooler“ meist nur Spielzeug. Dinge, um sich wichtig zu machen. Dinge, um sie in den Schatten zu stellen. Niemand will in den Schatten gestellt werden und schon garnicht als antiquiert gelten.
So entstehen Lagerkämpfe.

Es darf keine stichhaltige Gründe mehr geben, warum die Einzelkämpfer Einzelkämpfer bleiben. Es muss auch ihnen leicht gemacht werden, neue Ideen aufzugreifen und ihnen Sicherheit geben. Es müssen mehr Team-Building-Maßnahmen her. Leider gibt der Schulalltag wenig Möglichkeiten für solche Termine. Dafür muss Zeit geschaffen werden. Auch entsprechende Mittel müssen gestellt werden.

Während meiner Berufsausbildung (a.k.a. Lehre, vor meiner Zeit als Lehrer) wurde ich auf eine Weiterbildung zu Siemens nach Nürnberg geschickt, 4 Tage Vollverpflegung und kulturellem Programm am Abend.

Der Schulalltag als Kontrastprogramm sieht so aus:
Mit Glück ist die Fortbildung wirklich durchdacht und kostet nicht viel. Man darf trotzdem Fahrkosten und den Kaffee und Mittagessen selbst zahlen. Für Vertretung muss ebenfalls selbst gesorgt werden…
Nicht falsch verstehen. Ich liebe meinen Job, aber ist das anspornend? Nachdem man Aussagen wie „Schwachsinn, …“ hört? Es muss auch hier Besserung geben. Wenn der Unterricht / Schule / … besser werden soll, dann müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Beständigkeit im Wandel

Gerade Bildung braucht verlässliche Lehr-Lern-Arrangements, auf die man setzen kann. Angeschaffte Tablets werden in 5 Jahren alte Eisen sein, bei Android-Geräten sogar schon nach 1-2 Jahren. Durchdachte Konzepte sind gefragt. Nicht die Geräte sind der Heilsbringer, sondern was man damit macht und wie man sie einsetzt!

Es bringt nichts, wenn in jeder Schule Experimente gefahren werden, ohne, dass man sich darüber unterhält und an einem Strang zieht. Gerade aus wirtschaftlicher Sicht macht das wenig Sinn, wenn in jeder Schule die gleichen Gedanken gesponnen werden. Erfahrungen müssen ausgetauscht werden. Best-Practice-Beispiele müssen publik gemacht werden.

3 Gedanken zu „Von Einzelkämpfern zu Team-Playern“

  1. Mir fällt es schwer, einen Kommentar zu verfassen, obwohl ich das möchte. Es geht hier um so viel Verschiedenes: das alte Jahrtausend, Materialtausch, Ablehnung von Technik, Einzelkämpfertum, als hätte das alles viel miteinander zu tun.

    Nimm mal mich: Ich bin teils Einzelkämpfer, teils nicht „Es muss auch ihnen leicht gemacht werden, neue Ideen aufzugreifen“ – mir wird das leicht gemacht, ich wäge sie gegen meine alten Ideen ab und entscheide mich dann oft genug für die älteren.

    Bei den Gründen für fehlende Zusammenarbeit – oder dem fehlenden gemeinsamen Strang – etwa an meiner Schule sehe ich die Hürden der Technik als einen der hintersten. Die Frage, wie viel Zeit man außerhalb des Unterrichts in und mit der Schule verbringen will, ist da wichtiger. Und vermutlich das Unbehagen vor fachlichen Blößen.

    1. Danke für deinen Kommentar. Vielleicht habe ich mich etwas vage ausgedrückt. Vielleicht ist ein Blog auch das falsche Medium. Mir geht es um eine allgemeine Offenheit. Klar, wenn man mit älteren Lösungen besser fährt, ist das in Ordnung. Aber man muss sich zumindest mit den neuen versuchen anzufreunden und diese im Vergleich evaluieren.

      1. Blog ist schon der richtige Ort, glaube ich. Die neuen Lösungen versuchen: ja, klar. Aber ich denke halt, das Problem der fehlenden Zusammenarbeit kommt nicht von Technikmuffligheit her, sondern fängt schon viel früher an.

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